Deutschland bei Großprojekten im Stillstand
Am 24. Juni 2026 berichtete die Allgemeine Zeitung, dass das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig am
8. Juli über die Klagen des BUND Niedersachsen gegen die Planfeststellungsbeschlüsse für den Lückenschluss der Bundesautobahn A 39 entscheiden wird. Betroffen sind der Abschnitt 7 zwischen Wolfsburg und Ehra-Lessien sowie der Abschnitt 1 bei Lüneburg.
Viele Menschen in unserer Region verbinden mit dieser Entscheidung die Hoffnung, dass der seit Jahren geplante Lückenschluss endlich Realität werden kann. Sie wünschen sich eine spürbare Entlastung ihrer Städte und Dörfer vom täglichen Durchgangsverkehr mit tausenden Lkw und Pkw, die Lärm, Abgase und zusätzliche Gefahren verursachen.
Vor diesem Hintergrund ist es zu begrüßen, dass der Bundestag kürzlich gesetzliche Änderungen auf den Weg gebracht hat, um Planungs- und Genehmigungsverfahren für bedeutende Infrastrukturvorhaben zu beschleunigen.
Mit Verwunderung habe ich deshalb die Äußerungen der Lüneburger Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch (Bündnis 90/Die Grünen) zur zweiwöchigen Vollsperrung der A 39 zwischen Lüneburg und Hamburg gelesen. Sie bezeichnete die Sperrung als nicht hinnehmbar und betonte die große Bedeutung der Autobahn für Pendlerinnen und Pendler sowie für die wirtschaftliche Entwicklung der Region. Viele Menschen aus Lüneburg und dem Umland seien auf diese leistungsfähige Verkehrsverbindung angewiesen, um ihre Arbeitsplätze in Hamburg zuverlässig erreichen zu können.
Genau dieses Argument lässt sich jedoch ebenso auf den geplanten Lückenschluss der A 39 zwischen Lüneburg und Wolfsburg übertragen. Auch die Landkreise Uelzen und Gifhorn benötigen eine leistungsfähige Verkehrsanbindung, um ihre wirtschaftliche Entwicklung zu stärken, neue Unternehmen anzusiedeln und attraktive Arbeitsplätze zu schaffen. Gleichzeitig würde die Autobahn vielen Menschen ermöglichen, in ihrer Heimatregion zu wohnen und dennoch gut bezahlte Arbeitsplätze in den Oberzentren wahrzunehmen.
Seit Jahren wird der Bau der A 39 jedoch durch zahlreiche Einwendungen und Gerichtsverfahren verzögert. Zu den Kritikern des Projekts zählen vorrangig Umweltverbände und zahlreiche Vertreter der Grünen. Das wirft die Frage auf, weshalb die Bedeutung einer leistungsfähigen Autobahn für den Raum Lüneburg ausdrücklich hervorgehoben wird, vergleichbare Argumente für die Regionen Uelzen und Gifhorn jedoch häufig keine entsprechende Unterstützung erfahren.
Die aktuelle Vollsperrung der A 39 macht deutlich, wie abhängig Wirtschaft, Pendler und Bürger von einer funktionierenden Verkehrsinfrastruktur sind. Wer für die eigene Region eine leistungsfähige Autobahnanbindung einfordert, sollte diese Bedeutung auch anderen Regionen zugestehen.
Eine sachliche und ausgewogene Verkehrspolitik sollte für alle Teile unseres Landes die gleichen Maßstäbe anlegen. Nur so können Infrastrukturprojekte fair bewertet und die Entwicklungschancen aller Regionen gleichermaßen berücksichtigt werden.
