Beschluss im Ortsrat und Bauausschuss – 15.02.2021

Neubau einer Rad- und Fahrradbrücke zwischen Holdenstedt und Klein Süstedt

Der Ortsrat der Gemeinde Holdenstedt / Klein Süstedt und der städtische Ausschuss für Bauen, Infrastruktur, Umwelt- und Klimaschutz haben in ihren Sitzungen im Februar 2021 beschlossen, dass die baufällige Brücke, die die Bahnstrecke von Hamburg/Hannover zwischen Holdenstedt und Klein Süstedt quert, durch eine Geh- und Radwegbrücke ersetzt werden soll. Auf der Basis dieses Beschlusses werden in den Haushalt 2021 insgesamt 2,6 Mio. Euro eingestellt. Die Mittel sind für den Abriss und Neubau der Brücke sowie weitere infrastrukturelle Maßnahmen einzusetzen.

Der Beschluss wurde in einer Videokonferenz, unter Einbindung der CDU-Mitglieder und einem intensiven Meinungsaustausch mit den Bürgern, dem Sportverein, der Feuerwehr und der Landwirtschaft vorbereitet. Fünf Haupt- und sechs Untervarianten standen zur Diskussion. Auf den Antrag der CDU-Vertreter im Ortsrat hin, wurden die Varianten mit einer Kostenschätzung durch die städtische Verwaltung erarbeitet.

Als Prüfkriterien waren vorgegeben:

  1. Neubau einer Brücke für den allgemeinen Fahrzeugverkehr an gleicher Stelle (Gesamtkosten mit infrastrukturellen Baumaßnahmen ca. 5,24 Mio. €),
  2. Neubau einer Geh- und Radwegbrücke oder
  3. kein Neubau einer Brücke und stattdessen eine Anbindung der Ortschaften und des Sportplatzes über alternative Wegeverbindungen.

Unter Abwägung der unterschiedlichen Interessen wurde der Neubau einer Geh- und Radwegbrücke über die Bahn an gleicher Stelle favorisiert und von den politischen Gremien beschlossen. Der Neubau der Brücke hat barrierefrei zu erfolgen. Einhergehend mit dem Abriss der alten Brücke soll unmittelbar mit der Errichtung der neuen Brücke begonnen werden. Der beauftragte Planer soll folglich mit der Deutschen Bahn nicht nur den Abriss, sondern zugleich auch die Errichtung einer neuen Brücke terminieren. Ziel ist es, die Unterbrechung der Wegeverbindung zwischen den beiden Ortschaften zeitlich möglichst gering zu halten. Weiterhin soll der Planer prüfen, ob die vorhandenen Brückenpfeiler als Auflage für die neue Geh- und Radwegbrücke genutzt werden können.

Für die Einschränkungen, die die Land- und Forstwirtschaft durch den Wegfall der Brücke hinzunehmen hat, wird für den Ausbau des östlich der Bahn verlaufenden Wirtschaftsweges einmalig Schottermaterial von der Stadt zur Verfügung gestellt. Die Landwirtschaft richtet damit den Wirtschaftsweg selber her. Außerdem wird sich die Stadt an der Herrichtung des nicht asphaltierten Bereiches der Alten Celler Heerstraße von der K 8 kommend bis zur asphaltierten Abzweigung in Richtung Friedhof beteiligen. Die Landwirtschaft stellt dafür gewaschene Sammelsteine zur Verfügung. Beide Verbindungswege sind gegebenenfalls mit Schranken für den Durchgangsverkehr zu sperren, um so deren Nutzung als Abkürzungsstrecke zum Sportplatz zu verhindern. Den Rettungsdiensten ist das Befahren der Wirtschaftswege zu ermöglichen.

Der ehemalige Ortsverbindungsweg von der Brücke bis zum Sportplatz und darüber hinaus, soll so hergerichtet werden, dass Fahrradfahrer die Strecke vom Untergrund her gut und gefahrlos befahren können.

Darüber hinaus wurde angeregt, dass die Stadtverwaltung mit dem Sportverein spricht und nach Lösungen sucht, damit Rettungsfahrzeuge und anderer Durchgangsverkehr, auch bei Großveranstaltungen und trotzt beengter Parkmöglichkeit, den Bereich sicher passieren können – ein Wendehammer am Sportplatz könnte beispielsweise hilfreich sein.

Bericht zur Ortsratssitzung vom 02.11.2020

Der von der CDU im Ortsrat Holdenstedt/Klein Süstedt eingebrachte Antrag wurde von Hans-Jürgen Heuer erläutert. Er führte aus: im Frühjahr 2020 wurden wir von der Mitteilung überrascht, dass die Brücke zwischen dem Sportplatz Holdenstedt und Kl. Süstedt für alle Verkehrsteilnehmer komplett gesperrt wurde. Wenig später wurde die Sperrung dann für Fußgänger und Radfahrer aufgehoben. Nun, ein halbes Jahr nach der Brückensperrung, hat es der Ortsbürgermeister immer noch nicht für erforderlich gehalten, die Mitglieder im Ortsrat und die Öffentlichkeit über den Grund der Brückensperrung zu informieren.

Mit dem eingebrachten Antrag möchten wir nicht nur über den Grund der Brückensperrung informiert werden, sondern wir streben einen breiten Dialog mit den Bürgern, der Feuerwehr, den Landwirten und der Verwaltung an. Daher haben wir Vorschläge in unserem Antrag unterbreitet, wie gegebenenfalls alternative Verkehrsanbindungen geschaffen werden können, falls ein Neubau nicht in Betracht kommt.

Herr Behn, Fachbereichsleiter Verkehr der Hansestadt Uelzen, berichtet über die im Frühjahr getroffene Feststellung des Brückenstatikers, dass die Korrosion an der Stahlbewehrung weiter zunimmt. Dadurch platzen Betonteile unterhalb der Brücke ab und gefährden die darunter fahrenden Züge. Vor diesem Hintergrund hat die Stadt bei der Bahn beantragt, noch vor Weihnachten 2020 Sicherungsmaßnahmen durchführen zu dürfen. Dafür müssen die Zugfahrten für eine Nacht unterbrochen werden.

Außerdem wurden an den Brückenpfeilern erhebliche Abplatzungen festgestellt. In der Regel lagert ein Brückenüberbau getrennt durch „Elastomerlager“, die durch ihre Elastizität in gewissem Umfang Bewegungen zulassen, auf seinen Auflagern. Das Auflager trägt das Ende des Brückenüberbaus und leitet die senkrechten und etwaigen horizontalen Kräfte, die durch einen Temperaturwechsel oder Belastungen entstehen können, aus dem Brückenüberbau in den Baugrund ab. Im vorhandenen Bauwerk treten zusätzliche Bewegungen auf, deren Ursache im Rahmen der Prüfungen nicht ermittelt werden konnte.

Im Ergebnis steht fest: Die Brücke weist erhebliche Mängel auf, eine Sanierung ist nicht wirtschaftlich und daher muss die Brücke abgerissen werden.

So werden derzeit von einem externen Planer die physikalischen Voraussetzungen untersucht, damit ein Schwerlastkran für den Brückenabriss – dieser ist für Mitte 2021 geplant – aufgestellt werden kann. Sollte der Rat der Hansestadt beschließen, an gleicher Stelle eine vollwertige Brücke oder eine Brücke für Fußgänger und Radfahrer zu errichten, wird sich der Baubeginn noch mindestens weitere 2 Jahre hinziehen.

Die städtische Verwaltung hat die im Antrag der CDU eingebrachten Vorschläge aufgegriffen und prüft die Vor- und Nachteile einer Realisierung. Diese sind im Einzelnen:

  1. Ermittlung der Kosten für den Neubau einer vollwertigen Brücke.
  2. Ermittlung der Kosten für den Bau einer Fußgänger- und Radfahrerbrücke.
  3. Prüfung der Möglichkeit auf der östlichen Seite der Bahntrasse (auf Höhe des ehemaligen Gasthauses Pollehn), zwischen der Ackerfläche und auf dem vorhandenen Grünstreifen zur Bahntrasse, einen wassergebundenen Fuß- und Radweg herrichten zu lassen. Ein solcher Weg würde die Entfernung zum Sportplatz deutlich verkürzen.
  4. Prüfung der alternativen Herrichtung einer wassergebundenen Wegedecke von der maroden Brücke bis zur Kreisstraße K 8 östlich der Bahntrasse unter Nutzung der vorhandenen Wirtschaftswege. In diesem Zusammenhang wurde bereits festgestellt, dass sich die überwiegende Strecke der vorhandenen Wege im Eigentum der Hansestadt befindet, nur das Mittelstück ist im Privatbesitz. Für diesen Teil müsste ein Kauf in Betracht gezogen oder eine andere Einigung mit dem Eigentümer herbeigeführt werden.
  5. Als besonderer Knackpunkt gilt die Brücke der K 8. Sie ist recht schmal und erlaubt nur bedingt, dass Fußgänger und Radfahrer den Bereich sicher passieren können. Im Falle einer mittelfristig anstehenden Sanierung durch den Landkreis, könnte Abhilfe geschaffen werden. Jedoch für die Übergangszeit ist zu prüfen, ob ein Teil der Fahrbahn auf der Brücke nur für die Nutzung von Fußgängern und Radfahrern hergerichtet werden kann. An den Auf- und Abfahrten müsste entlang der Fahrbahn ein gemischter Rad- und Fußweg auf der Böschung entstehen.

Im Nachgang zur Sitzung wurde bekannt, dass u. U. auch die Feuerwehr Kl. Süstedt den vorhandenen Wirtschaftsweg nutzen könnte. Die Wirtschaftswege werden von landwirtschaftlichen Fahrzeugen mit annähernd 40 t befahren. Die Feuerwehrfahrzeuge haben in etwa ein Gewicht von 12 t. Es müsste jedoch sichergestellt werden, dass keine PKW den Weg als Abkürzung zum Sportplatz nutzen (z. B. Schranke).

Neben dieser Alternative wurde angeregt, dass die Verwaltung prüfen möge, unter welchem finanziellen Aufwand die „Alte Celler Heerstraße“ hergerichtet werden könnte, damit die Feuerwehr Kl. Süstedt auf dieser Strecke den Einsatzort Sportplatz schnell erreichen kann. Dazu muss das Lichtraumprofil freigeschnitten und der Streckenabschnitt von der K 8 bis zum asphaltierten Abschnitt hergerichtet werden. Derzeit wird eine Befahrbarkeit des Streckenabschnittes durch zahlreiche Löcher und Unebenheiten erheblich behindert.

Die Landwirtschaft bietet an, gewaschene Sammelsteine zu liefern und Muldenkipper bereit zu stellen. Die Hansestadt Uelzen müsste den fachmännischen Einbau der Steine beauftragen.

Zugleich sehen die Mitglieder des Ortsrates eine Gefahr darin, dass die Strecke der Alten Celler Heerstraße zu einer PKW-Rennstrecke wird, denn sie würde eine deutliche Verkürzung gegenüber dem Weg über die Blumenstraße bedeuten. Derzeit wird die Strecke von den Bewohnern Holdenstedts zur Naherholung und zum Spazierengehen genutzt. Eine Schranke auf Höhe der Wohnbebauung könnte das Abkürzen unterbinden. Jedoch muss bei einer solchen Maßnahme die Erreichbarkeit der landwirtschaftlichen Flächen zumindest einseitig weiterhin gegeben bleiben.

Antrag vom 20.09.2020

Die CDU-Ortsratsmitglieder im Ortsrat Holdenstedt/Klein Süstedt haben am 20.09.2020 beim städtischen Bürgermeister Jürgen Markwardt und beim Ortsbürgermeister Erwin Reitenbach beantragt, dass der Ortsrat umgehend zum Sachstand der Sperrung der Bahnbrücke informiert wird. Die totale Sperrung der Brücke für den motorisierten Verkehr kommt sehr überraschend.

Bisher wurde die Information weitergegeben, dass die Bahnbrücke erhebliche Mängel aufweist, aber auch genügend Zeit für eine geordnete Entscheidungsfindung bleibt. Wir fragen uns, warum hat der Herr Ortsbürgermeister und auch die Verwaltung den Ortsrat und auch die Bürger nicht frühzeitig über einen möglichen Totalausfall informiert. Es ist wertvolle Zeit verstrichen, um sich mit den Folgen einer Brückensperrung und alternativen Anbindungen auseinandersetzen zu können.

Auch unter dem nun bestehenden Zeitdruck streben wir eine verantwortungsvolle Lösung an, damit eine von allen Nutzern akzeptierte Anbindung für Fußgänger und Radfahrer zwischen Holdenstedt und Klein Süstedt erhalten bleibt. Jedoch muss dies auch in einem finanziellen Rahmen für die Hansestadt zu stemmen sein. Daher erwarten wir von der Verwaltung, dass uns umgehend eine Berechnung vorgelegt wird, die die Kosten für den Abriss und ggf. eine Neuerrichtung der Brücke ausweist.

Alternativ ist aus unserer Sicht zu prüfen, was der Neubau einer reinen Fußgänger- und Fahrradbrücke über die Bahnstrecke kosten würde. Ebenso denkbar wäre, auf einen Brückenneubau ganz zu verzichten und östlich, entlang der Bahnstrecke einen Fuß- und Radweg mit einem wassergebundenen Mineralgemisch auszubauen. Der Weg, vom alten Brückenbauwerkstandort kommend, wäre unmittelbar an die Bahnüberführung der Verbindungsstraße Klein Süstedt – Holdenstedt anzubinden.

Sicherheitsrelevant ist, dass die Erreichbarkeit des Gebietes zwischen Sportplatz und Viadukt durch die Feuerwehr Klein Süstedt gegeben sein muss. Wir haben daher angeregt, die Alte Celler Heerstraße von überhängendem Astwerk freizuschneiden und die nicht asphaltierte Teilstrecke auszubessern. So kann die Feuerwehr Klein Süstedt in der gebotenen Zeit zur Hilfeleistung anrücken. Wir sind offen für weitere Vorschläge einer sinnvollen Anbindung und würden uns über Hinweise aus der Bürgerschaft sehr freuen.

Wir wissen auch, die Zeit drängt. Daher haben wir mit unserem Antrag die Verwaltung gebeten, einen mit der Bahn abgestimmten Zeitplan für den Abriss und ggf. Neubau der Brücke vorzulegen.

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